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Geschichte

Zickenseelow

Die Oderbrücher sind seit jeher ein neckisches und hänselndes Völkchen. Schnell hatte man einen Spitznamen weg und der blieb zum Teil bis in unsere Zeit erhalten. So bekam auch Seelow, am Rande des Oderbruchs gelegen, seinen “Zweitnamen”. Lange Zeit nannten und kannten das Städtchen viele nur unter “Zicken-Seelow”. Eine vordergründig nicht unbedingt schmeichelhafte Bezeichnung, die jedoch von der Schläue der Vorfahren zeugt. Die begannen, als die Haltung von Großvieh mit hohen Steuern belegt wurden, einfach Ziegen als Milch- und Fleischlieferanten auf ihren Höfen zu halten.

 

Flugzeug-Wrack

Ältere Alt Zeschdorfer munkelten, dass im Februar 1945 in den Schlosssee ein Flugzeug gestürzt sei. Niemand nahm so richtig Notiz davon. Erst 1996 nahmen Taucher die Suche auf und fanden tatsächlich das Wrack. Am 21. September 1996 wurde die Focke Wulf geborgen. Der Pilot saß noch hinter dem Steuer. Nach über 50 Jahren weiß man heute, hier starb Leutnant Hans Grapenthin. Er war erst 23 Jahre alt.

 

Sesam öffne dich

Die Fruchtbarkeit des Bruches war schon seit jeher sagenhaft. So soll auch das Dorf Wollup, in den Weiten des Oderbruchs gelegen, dem landschaftlichen Reichtum, alles sei “voll up”, seinen Namen verdanken. Die Sage weiß es noch anders zu berichten. In einer Scheune wollten Kaufleute Schutz vor einem Unwetter suchen. Sie mühten sich vergeblich das Tor zu öffnen. Ein junger Fuhrmann kam hinzu, um zu helfen. Er meinte: “ Et is woll up”. Wenn später die Fuhrleute an dieser Scheune vorbeikamen, sagten sie in Erinnerung: “Et is woll up!” Und so ist der Name “Wollup” entstanden.

 

Füttern erlaubt

Ein Revierförster hat im Trepliner Ortsteil Bärenfang, unweit der Jagdhütte eine “Fütterung” für Touristen und Bewohner angelegt. Er pflanzte Esskastanien, die nicht nur sehr dekorative Früchte haben, sondern auch noch gut schmecken. Diese Delikatesse, sogenannte Maronen, braucht man nur wie Pilze zu sammeln.

 

Strickbauern

Wissen Sie, warum die Kienitzer auch die Strickbauern genannt werden? - Einst entdeckten die Kienitzer Bauern und Fischer auf dem Oderdamm eine goldene Hirschkuh. Sie fingen das Tier und versuchten es ins Dorf zu bringen. Die Hirschkuh sträubte sich und war nicht von der Stelle zu bewegen. Deshalb wollte man sie fesseln und nach Hause tragen, doch niemand hatte einen Strick. Das Tier entkam. Der Dorfschulze jedoch war so aufgebracht, dass er allen Bewohnern das Tragen eines Strickes um den Leib befahl.

 

Nasser König

Natürlich hat der kuriose Name des Ortes Regenmantel eine ganz besondere Geschichte und natürlich soll, wie fast immer, Friedrich II. das seinige dazu beigetragen haben. Dabei hat der König bei einer Durchreise nur mal kurz Rast gemacht und beim Aufbruch seinen Regenmantel vergessen, was zur Namensgebung anregte.

 

Fischers Nixe

In alten Zeiten glaubte man an Geister und Sagengestalten. Hier im Oderbruch waren es naturgemäß Wassergeister, die ihr Unwesen trieben. Zu ihnen gehörten, der bärtige Odergott, die Seerose und besonders die Odernixe. Man gab diesen Fabelwesen Tier-, Pflanzen- oder Menschengestalt. Die Odernixe wurde stets als langhaarige, vollbusige Wasserjungfrau dargestellt. Mit halbem Körper tauchte sie aus dem Wasser, kämmte ihr glänzendes Haar und liebte Gesang und Tanz.

 

In den Sagen erschien sie auch in menschlicher Gestalt zu den Tänzen des Landvolkes. Manchmal hatte sie auch einen Spiegel in der Hand, mit dem sie die Fischer blendete. Man machte sie für den legendären Fischreichtum des Bruches ebenso verantwortlich wie für die zerstörerische Wirkung der Oderfluten. Als Dämon sowohl des Guten als auch des Bösen wurden ihr magischen Kräfte zugeschrieben.

 

Keine Nieten

Im Oderbruch fallen die vielen einzeln in der Feldmark stehenden Hofstellen auf und man fragt sich “Warum haben die Menschen abseits der Ortschaft gebaut?” Im 19. Jahrhundert setzte sich der Gedanke zur Flurbereinigung (Separation) durch. Diese war notwendig geworden, um die vielen kleinen Flächen, die ein Bauer hatte, zusammenzulegen und so die teilweise großen Entfernungen und den damit verbundenen Bewirtschaftungs-aufwand zu verringern.

 

Kommissionen wurden eingesetzt, die die Feldmark neu vermaßen und die Bodenwertigkeit bestimmten. Diese Flurstücke wurden durch das Los (die damalige Rechtschreibung = Loos) bestimmt. Dort bauten die Bauern ihre Wirtschaft neu auf. Anschließend erfolgte die Ortsbezeichnung, so dass noch heute die Einzelsiedlungen im Zusammenhang mit der Gemeinde z. B. Zechiner Loose bezeichnet werden.

 

Sagenhaftes Schloss

Falkenhagen wurde 1313 als ein von Burgmannen besetztes Schloss erstmals erwähnt. Die Sage erzählt, warum es die Burg nicht mehr gibt: Ein gewaltiger Tumult ließ alle Bewohner fliehen. Ein kleines Kind blieb in der Aufregung zurück. Als die mutigsten Männer es nach einiger Zeit holen wollten, lag es in seiner Wiege. Ein Bein war so verdreht, dass die hintere Seite nach vorn stand. Niemand betrat seither die Burg, die schließlich verfiel.

 

Oderbruch-Kartoffel

Die Geschichte Letschins ist eng mit dem Wirken Friedrichs des Großen, des “Ollen Fritz” verbunden. Nach der Trockenlegung des Bruches entwickelte Letschin fast Kleinstadtcharakter. Neben Handwerk und Gewerbe brachte der fruchtbare Boden die Landwirtschaft zum Blühen. Friedrich II. war es auch, der nicht nur im Oderbruch sondern in ganz Preußen den Kartoffelanbau einführen wollte. Doch hatte er nicht mit der Sturheit seiner Untertanen gerechnet. Nach dem Motto “Wat de Bure net kennt, det fritt e nit”, weigerten sich die Bauern entschieden.

 

Abergläubisch wie sie waren gehörte doch wohl schließlich das, was unter der Erde wächst dem Satan. Aber Friedrich war genau so stur und bediente sich letztendlich einer List. Einen mit Kartoffeln bestellten Acker ließ er von Dragonern bewachen. Neu – gierig gewordene Bauern stahlen die Erdäpfel und kamen über eine Reihe von Misslichkeiten endlich auf den Geschmack. Heute kann man sich unsere Speisekarte ohne die “Nudel”, wie die Kartoffel hier auch genannt wird, nicht vorstellen.

 

Krumme Deiche

Während der Fahrt auf dem Oderdamm wird sich so mancher fragen: “Warum sind die Dämme so krumm?” Der Erzählung nach ist das so gekommen: Friedrich II. hatte eine Kommission eingesetzt, die die Vermessung des neu gewonnenen Oderbruchlandes vornehmen sollte. Einmal war er selbst dabei und wollte bestimmen, wo die Deiche hinkommen sollten.

 

Da er aber an diesem Tag nicht recht fest auf den Beinen stand, weil er vorher zu viel getrunken hatte, wackelte er immer von einer Stelle zur anderen, und immer, wenn er seinen Krückstock aufsetzte, sagte er: “Hier kommt er hin, da kommt er hin!” Daher sind heutzutage die Oderdämme nicht ganz gerade.

 

Langer Atem

In der Nähe der Oder zwischen Sydowswiese und Genschmar befindet sich der Garnischberg, der mit 16,2, m die höchste Erhebung im Oderbruch ist. Eine Sage erzählt vom Schicksal eines heidnischen Prinzen, der sich taufen ließ und sich so den Hass seiner Untertanen zu zog. Er musste fliehen und wurde vom Christengott im Garnischberg versteckt. Dort sitzt er heute noch. Wem es gelingt dreimal um den Berg zu laufen, ohne zu atmen, kann den Prinzen erlösen.

 

Zornige Schöne

In der Johannisnacht Punkt 12 Uhr lässt sich auf den Hornschen Berge bei Ortwig alljährlich eine schöne, junge Frau sehen. Ein langer weißer Schleier verhüllt ihre Gestalt, auf ihrem Haupt trägt sie eine strahlende Krone. Von ihr geht die Sage, sie sei eine verwunschene Prinzessin. Kommt jemand um diese Zeit zufällig des Weges daher, muss er die weiße Frau unaufgefordert dreimal um den Berg tragen.

 

Dann ist sie erlöst. Tut er das nicht, wird sie sehr zornig. Entweder dreht sie ihm das Genick um oder sie schleppt ihn mit sich in die Berge hinein. Er sieht das Licht der Sonne nie wieder. Daher hüten sich die Leute der Umgegend sehr, in der Johannisnacht die Hornschen Berge zu betreten.

 

Teufelswerk Eisenbahn

Warum hat das große Oderbruchdorf Neuhardenberg keinen Bahnanschluss? - Die Wege im Bruch waren in teilweise schlimmen Zustand. Erleichterung brachte die “große Chaussee”, die 1855 von Wriezen nach Küstrin gebaut wurde. Die Eisenbahn plante die sogenannte Ostbahn über Hardenberg nach Küstrin zu leiten. Dieses Vorhaben scheiterte am Widerstand des Grafen und seinen Hardenbergern. “Wir brauchen keine Eiserbahn.” “Wir wollen nicht gefahren sein.” Viele wussten sogar, dass der Teufel in dem feurigen Gefährt steckt und das Weltenende nahe ist.

 

Literaturhinweise

  • Theodor Fontane, "Wanderungen durch die Mark Brandenburg", "Das Oderland"
  • Konrad Gründler, "Sagen, Geschichten und Schnurren aus dem Kreis Seelow"
  • DEWAG Frankfurt (Oder), "Sagen und Geschichten aus dem Bezirk Frankfurt

 

Aus „Landkreis Seelow“ Herausgeber und Gesamtherstellung Landratsamt Seelow

 

Templerorden

Zur Komturei Lietzen gehörten die umliegenden Dörfer Heinersdorf, Lietzen, Marxdorf, Neuentempel, Tempelberg und Dolgelin. Den Templerorden hatten französische Ritter 1119 in Akko, einer für Kreuzfahrer wichtigsten Hafenstadt in Palästina, gegründet., um christlichen Pilgern bei der Wallfahrt nach Jerusalem Schutz und Hilfe zu gewähren. Aus allen europäischen Ländern beteiligten sich Ritter an den Kreuzzügen und viele traten dem Templerorden bei.

 

Zur Finanzierung der Kreuzzüge stifteten die Landesfürsten den Ritterorden Ländereien mit abgabepflichtigen Dörfern. Durch die Überfahrt der Pilger nach Jerusalem, die Aufnahme von Handelsbeziehungen mit dem Orient und bargeldlose Bankgeschäfte gelangten die Templer zu Reichtum.

 

Als gut bewaffnete und schlagkräftige Truppe standen sie auch ihrem jeweiligen Landesherren gegen Belohnung zur Verfügung. Diese internationale militärische und wirtschaftliche Macht erregte den Neid einiger Fürsten und speziell des französischen Königs Philip IV., des Schönen, der 1309 zwangsweise den Amtssitz des Papstes von Rom nach Avignon verlegte und von 1307 – 1314 einen verleumderischen Prozeß zur Auflösung des Templerordens betrieb, in dessen Verlauf eine große Zahl von Templerrittern gefoltert und verbrannt wurde.

 

In Frankreich vereinnahmte Philip IV. den Besitz der Templer, in den anderen Ländern gingen die Güter meist an den Johanniterorden über, so die Komturei Lietzen im Jahre 1318.

 

Loose! Was fuer ein komisches Wort.....

Nach der Trockenlegung des Oderbruchs wurde an verschiedenen Stellen mehr und mehr Land urbar gemacht. Alte Kartenbilder zeigen, daß Äcker und Wiesen der Bauern auf sehr viele Schläge in der ganzen Feldmark zerstreut lagen, oft meilenweit von der Hofstelle und auch untereinander entfernt. Dadurch war für die Bewirtschaftung unverhältnismäßig viel Personal und Zugvieh erforderlich. Ebenso war der Zeitaufwand für die langen Wegstrecken enorm. Pfiffige Leute rechneten aus, daß man bei zusammenliegendem Landbesitz mit der Hälfte des Personals und der Pferde auskäme.

 

Es dauerte einige Jahrzehnte, bis sich diese Idee durchsetzte. Dickköpfe nannten es Verrat am Erbe der Vorväter. Gelegentlich erleuchtete ein Großbrand die Geister; denn bei der dichten Bebauung der Dörfer wurde oft schon ein Kienspan zum Auslöser. Der Neuaufbau der Behausungen erfolgte dann vielfach außerhalb auf einem Grundstück inmitten der Feldmark. Der Gedanke der Separation oder auch Flurbereinigung setzte sich nach 1800 immer mehr durch.

 

Es wurden Kommissionen gebildet, die die Flächen aufnahmen, die Bodenwertigkeit untersuchten und die zusammenhängende Neueinteilung absteckten. Zur Vermeidung von Streitigkeiten wurden diese neuen Grundstücke verlost – zu einer Zeit, da man das Lotterielos mit zwei o schrieb. Nach diesem Verteilungsverfahren erfolgte die Ortsbezeichnung, so daß noch heute die Einzelsiedlungen im Zusammenhang mit der Gemeinde z. b. als Seelower Loose, Zechiner Looose oder Güstebieser Loose bezeichnet werden.

 

Die alte Schreibweise blieb als Eigenname. Übrigens wurde durch die Loose das Oderbruch weiter erschlossen; denn sie zogen den Bau neuer Verbindungswege und Brücken nach sich.

 

Quelle: Artikel von Werner Michalsky in den Brandenburger Blättern (Ausgabe 45) vom November 1992