"Vor dem Sturm..."

Der erste Roman von Theodor Fontane „Vor dem Sturm“ handelt in Berlin und im Oderbruch. Er schildert die Zeiten des tiefsten Verfalls des preußischen Staatswesens zwischen der Katastrophe von Jena und dem Beginn der Befreiungskriege. Erfahren Sie mehr über die Zeit Fontanes und seine persönliche Haltung zu den gesellschaftlichen Veränderungen. Die Zeit der Er- und Überarbeitung des Romans fiel in den "Gesinnungswandel" Fontanes, besonders in Bezug auf seine kritische Auffassung über die künftige Entwicklung Preußens. Heinrich Mann erkannte die historische Tragweite des Romanes: "Wenn man Fontanes 'Vor dem Sturm' gelesen hat, dann hat man die Befreiungskriege gesehen; von innen gesehen hat man sie nur dann.“ Fontane lässt über seinen Romanhelden Treue, Heimatliebe, Kampfbereitschaft und das "gute preußische Herz" aufleben. Er erzählt auch die Liebesgeschichte zwischen der bürgerlichen Marie und dem adligen Lewin. Die Fahrt führt Sie zu den fiktiven und originalen Schauplätzen des Romans und schließt Bekanntschaft mit den handelnden Personen des Romans.


 

Die Kirche von Friedersdorf

Die Friedersdorfer Kirche mit dem berühmten Denkmal

 

 


Friedrich August Ludwig von der Marwitz - Konservativer und Patriot

 

Die Roman Hauptgestalt, Berndt von Vitzewitz, weißt im Roman viele biografische Züge zur Person von Friedrich August Ludwig von der Marwitz, Major und Gutsherr auf Friedersdorf, auf. So der frühe Tod der geliebten Frau, der Schlossbrand, die Jugenderinnerungen an die Zeit Friedrich des Großen und seinen Kriegen. Vitzewitz, alias Marwitz, verkörpert jene Adlige, die angesichts der Gefahren für das preußische Vaterland, bereit waren das Volk zu bewaffnen, um gegen die napoleonische Fremdherrschaft zu kämpfen. Ganz im Sinne der Inschrift auf dem „Denkmal Preußens“, so Theodor Heuss: „Wählte Ungnade, wo Gehorsam nicht Ehre brachte“.


 

Schloss Reitwein (Dunker Stich)

Schloss und Kirche von Reitwein (Postkarte)

 

 

 

 
 
Wo liegt eigentlich Hohen-Vietz?

 

 

Nur wo liegt der Wohnort von Vitzewitz mit dem Namen "Hohen-Vietz"? Marwitz lebte bekanntlich in Friedersdorf. Im Roman beschreibt Fontane, wie Lewin von Vitzewitz am Weihnachtsmorgen auf sein "Heimatdorf" zu geht und hinter dem Turmkopf der Dorfkirche die aufgehende Sonne als roten Ball sieht. Eine solche Sicht wäre aber in Friedersdorf unmöglich. Fontane vermischt in seiner schriftstellerischen Freiheit bewusst Fiktives und Historisches. Hohen-Vietz kann nur in der Nähe der Oder liegen. Vieles spricht für Reitwein, wo auch Friedrich der Große nach der verlorenen Schlacht von Kunersdorf (1759) weilte.


 

Forstacker bei Letschin, historische Ansicht

Histrorische Ansicht Forstacker bei Letschin (Archiv Letschiner Heimatstube)

 

 
 
 
Hoppenmarieken vom Forstacker

 

Der Forstacker, ein kleiner Ortsteil von Letschin, ist durch die Rodung eines Waldestückes entstanden. Das ehemalige Försterland wurde 1807 parzelliert und später mit einfachen, ärmlichen Lehmhäusern bebaut. Fontane lernte dort eine Frau namens Anna Dorothea Hoppe kennen. Im Roman wird aus ihr "Hoppenmarieken" und zum eigentlichen Urgestein der gesamten Handlung. Sie lebte von Botengängen und kann Dank ihrer Ortskenntnis und Überlebensschläue Lewin v. Vitzewitzs aus der Festung Küstrin befreien. Am Ende dieser Tat bekennt sie: "De Dummen, de sin ümmer die Klöksten“.


 

Des Pfarrers letzte Ruhestelle

Des Pfarrers letzte Ruhestätte in Zechin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dorfschulze Kniehase - ein Mann mit vaterländischer Gesinnung

 

Mit dem Dorfschulzen Christian Kniehase diskutiert Berndt von Vitzewitz, um Antworten auf die so wichtigen Fragen der damaligen Zeit zu finden. Wer ist der Feind? Sollte Krieg gegen die französische Fremdherrschaft geführt werden, auch wenn der König dazu nicht bereit ist? Was ist Treue? Welche Treue zählt mehr - die gegenüber dem König oder die für das Vaterland? Das Ringen um Antworten war eine Gewissensfrage, da der preußische König Friedrich Wilhelm III. noch nicht zum Brechen des Bündnisses mit Napoleon bereit war. Gegen den König zu handeln bedeutet: Ungnade wählen, weil Gehorsam nicht das Vaterland rettet.


 

Schloss Gusow

Schloss Gusow von 1779 aus dem Podewilsschen Gartenplan (aus Schlösser und Gärten der Mark)

 

 

 

 
 
Tante Amalie auf Schloss Guse

 

Tante Amalie war die Schwester von Berndt von Vitzewitzs und ein „Nachkomme“ des alten Derfflingers. Ihr Selbstverständnis und Weltbild waren ganz von den Jahren am Hofe des Prinzen Heinrich und der französisch geprägten Gesellschaftskultur auf Schloss Rheinsberg geprägt. Aller Aufgeklärtheit der Zeit zum Trotz, glaubt Amalie an das Guser Hausgespenst, eine „schwarze Frau“. Ihr tiefer Aberglaube hat schlimme Folgen.